Sonntag, 7. Oktober 2012

Ich muss da mal was los werden.

Leute! Vegetarisch oder vegan lebt ihr für EUCH und die TIERE. Nicht für eure Eltern, die Nachbarn, die Arbeitskollegen und erst recht nicht für irgendwelche Deppen im Internet. 

Ihr selbst bestimmt was ihr wann esst, tragt und benutzt. Wenn ihr an einem Tag schwach geworden seid, krankheitsbedingt eine Woche ausgesetzt habt oder das ohne Käse irgendwie doch nicht so hin bekommt wie ihr euch das gewünscht habt, dann ist das vielleicht schade und wurmt euch. Aber das ist kein Grund sich vor anderen zu rechtfertigen, die Flinte ins Korn zu werfen oder sich schlecht zu fühlen. Jeder Tag ist ein neuer Anfang. An dem doofen Sprichwort ist was dran. 

Entspannt euch! 


Immer wieder lese ich Texte, die an Selbstgeißelung erinnern. Menschen, die sich vermeintlich tagelang den Kopf zerbrechen, hitzige Diskussionen im Internet liefern und am Ende gar die Segel streichen, "weil sie es einfach nicht hinbekommen". Was hinbekommen? Nur ein Steak weniger zu essen? Großartig, ein getötetes Rind weniger. Lederschuhe gekauft haben? Dann trage sie bitte immerhin bis sie auseinander fallen und denke beim nächsten Kauf zweimal nach. Müsli mit Sojamilch partout nicht herunterbekommen? Dann verwende sie wenigstens zum Backen und Kochen. 

Ich bin damals aus Überzeugung Vegetarierin geworden, habe nie wieder Fisch oder Fleisch gegessen und ernähre mich so vegan wie es mir unter den aktuellen Gegebenheiten möglich ist. Besser geht immer. Schlechter aber auch. 
Mir stößt diese "Höher, schneller, weiter"-Mentalität ganz massiv auf. Einer ist veganer als der andere.   Und wenn man erst mal ein Jahr vegan war, dann bitte unbedingt rohköstlich werden. Nur SO macht mensch es richtig. Dabei ist es bei Vegetarier_innen/Veganer_innen wie bei allen anderen Menschen: Jede/r ist anders. Es gibt zig Beweggründe vegan zu leben. Schnell beschleicht einen der Eindruck man müsse nun unbedingt dieses oder jenes tragen, nur noch biologisch einkaufen, DAS Buch gelesen haben und nur noch DIESE Musik hören. Von diesem Gedanken müssen wir uns ganz schnell verabschieden. So kann das nichts werden.

Ich bin jetzt schon stolz auf euch!


Ihr lest und seht Dinge, die die Mehrheit der Menschheit vielleicht niemals wissen wird. Ihr denkt nach bevor ihr esst und macht euch Gedanken über die Herkunft der Dinge eures täglichen Lebens. Ihr seid Multiplikatoren: "Spread the word". 
Wenn nur ein Mensch euren Button auf der Tasche, euren Text im Internet, euren Druck auf dem T-Shirt oder das Sojaschnitzel an der Kasse bemerkt und plötzlich einen Gedanken hat, den er SO noch nie in seinem Leben hatte, dann ist da was in Gang gesetzt worden. Wahrscheinlich wird er ihn danach sofort wieder vergessen. Aber zwei Wochen später begegnet er vielleicht an anderer Stelle wieder dieser "Idee", diesem Gedanken. Und irgendwann entsteht ein Bewusstsein. (Googelt mal "Mere-Exposure-Effect";-))

Was sehr idealistisch klingt, mag es auf den ersten Blick auch sein. Aber wenn viele kleine Menschen an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun...Ihr kennt den Spruch. Hört auf zu jammern und macht euch grade! Nehmt eine - eure! - Haltung ein und steht dazu. Denn eine - vermeintliche - Haltung ohne Überzeugung ist wertlos. 

Kommentare:

  1. Wunderbarer Text! Du sprichst mir aus der Seele :) Schöne Grüße, Katharina

    AntwortenLöschen
  2. Toller Text! Spiegelt sehr meine Gedanken wieder!
    Liebe Grüße,
    Karmi

    AntwortenLöschen
  3. Du hast absolut Recht! Wunderbar zusammengefasst! Ich halte es genauso! Vor einem Jahr habe ich noch fast alles gegessen und mir keinerlei großartige Gedanken gemacht. Heute esse ich vegetarisch und ersetze auch nach und nach tierische Produkte durch pflanzliche Alternativen. In mir ist einfach ein Bewusstsein geweckt worden, das mir sogar Spaß und eine neue Sicht auf die Dinge bringt. Und ich finde, genauso sollte es sein!
    Liebe Grüße Kristin

    AntwortenLöschen
  4. Ach ja dieses "Ich bin aber viel veganer als du...!!" Battle nervt mich schon so lange, wie ich meine Gewohnheiten geändert habe. Anscheinend gibt es überall die Oberveganer, die alles richtig und perfekt machen. Super! Aber dieses Anmaßende, andere denen eine komplette Lebenseinstellungsänderung Probleme bereitet, persönliche und/oder soziale, als Heuchler etc. zu bezeichnen...das ist es, was mich nervt. Auf Blogs geht es immer noch aber in Foren...da gehts ab.

    AntwortenLöschen
  5. Da muss ich der Kerstin voll und ganz recht geben, wirklich super zusammengefasst. Mich nervt es auch sehr, dass es an vielen Stellen fast wie in einer Sekte zu geht und dass ist ja wirklich nicht Sinn und Zweck dessen. Denn jeder ist anders und jeder mag andere Dinge und wenn nur ein kleiner Schritt gemacht wird, kann auch dieser schon viel bewegen.

    Ich schicke dir liebe Grüße aus meiner Küche!

    Samira

    AntwortenLöschen
  6. Liebe Kathrin,
    viele Deiner Aussagen kann ich nur bestätigen, denn ich nehme diesen Zustand leider auch oft wahr...

    Von mir gibt es nun noch ein paar Worte bzgl. des Veganismus oben drauf:

    Mich z.B. ärgert es, wenn ich lese, dass man nur richtig vegan lebe, wenn man u.a. nur biologische Produkte mit Fair Trade-Zertifizierung kauft, welche Palmöl-frei und auf gar keinen Fall in organischem Polymer verpackt sind. Meines Erachtens sind diese Attribute zwar wünschenswert, sind allerdings nicht mit Veganismus gleich zu setzen. Es sind vielleicht Faktoren, welche manches Mal miteinander einher gehen, welche sich allerdings auch sehr gut ausschließen können.

    Mich nervt es unbeschreiblich, wird behauptet, dass "wir" VeganerInnen für das Gleiche stehen und für die gleiche Bewegung handeln. - Nein, das tun wir nicht und werden wir auch nie! Genauso wenig wie ich jede/n und alles mögen werde, nur weil sie/er/es vegan ist. Das wird nie passieren!

    Auch werde ich mich nicht überall engagieren, nur weil es vermeintlich den Veganismus unterstützt und voran bringt. Niemals! Da treffe ich schon weitaus tiefer gehende Entscheidungen.

    Wir alle müssen uns eine eigene Haltung erarbeiten und zu dieser stehen, möge es auch manches Mal unbequem sein und zu starker Kritik führen. Dieses bedeutet nicht, dass Haltungen sich nicht verändern können, doch sollte man stets von der eigenen Grundhaltung überzeugt sein können und diese doch auch äußern (dürfen!). (Warum sollte ich als VeganerIn mich zurück halten, wenn man mir doch auch stetig die Meinung sagt oder zeigt? Warum sollte die eigene Integrität hier auf der Strecke bleiben? Was soll das bringen?)

    Ein (veganes) Leben ist so schön, wie DU es Dir machst.
    Solltest Du allerdings bemerken, dass es Dir mit dem Veganismus doch schwer fällt, dann überprüfe doch einmal Deine innere Haltung, bitte ggf. andere um Unterstützung und frage Dich, was wirklich wichtig ist! Finde DEINEN Weg DIR das vegane Leben so angenehm wie möglich zu machen...

    Bla. Bla. Bla.

    Kurz: Mach' was Du willst, doch bewahre Dir Deine innere Haltung!

    AntwortenLöschen
  7. Kathrin, eine kurze Frage:
    Verstehe ich es richtig, dass sich Dein Beitrag an jene richtet, welche sich stetig darüber aufregen, dass das vegane Leben doch nicht so läuft wie vielleicht vorgestellt und lieber heulen statt ggf. zu handeln?
    Sollte dieses nicht der Fall sein, dann wäre meine Antwort in die falsche Richtung gehend bzw. an dieser Stelle unpassend! (:

    AntwortenLöschen
  8. Bevor ich einen langatmigen Kommentar schreibe, einfach ein paar Aspekte, assoziieren kannst du selbst.

    - "Darfst du das denn essen?" - Fuck yeah, ich darf alles essen was ich will, aber ich WILL vieles nicht essen.

    - Zieh dir "Vegan" oder "Vegetarisch" nicht als Label an, dass den Anschein hat, du hättest irgendwann, irgendwo, irgendwie einen Vertrag unterschrieben. Es ist keines.

    - "Das ist aber nicht wirklich konsequent!" Konsequenz? Vom Omnivoren zum Vegetarier zum Veganer zum Fruktarier. Und dann? Letzten Endes würde die Welt doch eine bessere sein, wenn man gänzlich auf deinen CO2-Abdruck etc. verzichtet, oder? Let me say it with Hannah Arendt: Wer "A" sagt muss gar nichts, außer mal darüber nachdenken, welchem Selbstzwang er da unterliegt.

    - Die Vegan-Police ist eine elite Spezial-Einheit zur Überwachung von vegan lebenden Personen, welche bei Verstoß gegen das vegane Leben durch verzehr nicht-veganer-Produkte die entsprechende Person de-veganisieren kann. CAVE! Die "Vegan-Police" ist tatsächlich eine Lüge. Du musst also keine Angst vor ihr haben!

    - Mein Lieblingssatz von dir: "Besser geht immer. Schlechter aber auch."

    Bestes,
    George

    AntwortenLöschen
  9. toller text, kann ich voll und ganz unterschreiben! rohköstliche anwallungen habe ich zwar nicht (und werd sie auch nie haben), aber ich achte zunehmend auch auf andere ethische aspekte - plastik, palmöl, fair trade... man kann sein hirn ja nicht ausschalten, und wenn man einmal damit angefangen hat, sich mit den problemen von konsum auseinanderzusetzen findet man immer mehr.
    eigentlich ist es echt ein fluch, ein gewissen zu haben...

    AntwortenLöschen
  10. Genau so ist es! Dem gibt es nichts hinzuzufügen.

    AntwortenLöschen
  11. Was ich abgesehen von der Veganerpolizei auch immer wieder erschreckend finde, ist die Lynchmentalität vieler Veganer. Jeder Mensch, der einem Tier etwas zuleide tut, muss gefälligst genauso behandelt werden, gefoltert, gevierteilt, getötet werden. Ähm ja, hallo und willkommen im Mittelalter.
    Ich finde es toll, wenn jemand aus emotionalen (aka ethischen) Gründen vegan wird, aber das muss echt nicht bedeuten, dass man sein Hirn ausschalten soll.

    Ansonsten hast du wirklich recht :) Man sollte sich auch mal entspannen können, es gibt weder die Veganerpolizei noch den Veganerhimmel oder die Veganerhölle!

    AntwortenLöschen
  12. Hallo,
    der Artikel hat mich sofort angesprochen :)
    Ich gehöre selber zu der Sorte "vegan, mit Rückschlägen", aber es gibt den Weg nach vorne. Schrecklich ist es, immer kontrollieren zu wollen, auch von anderen, die sich so gar nicht um ihre Ernährung kümmern - ich lasse mich nicht bestimmen, entweder tue ich es, weil ich es will, oder ich lasse es, wenn es gerade Mode, Zwang oder anderes ist.
    Jetzt werde ich mal weiter auf deinem Blog stöbern, den Namen finde ich auch ganz nett :)

    AntwortenLöschen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.