Montag, 9. April 2012

Über Minutensteaks und die Kunst des Aushaltens.

In letzter Zeit stoße ich mal wieder verstärkt auf Dinge oder Tatsachen, die mir die Nackenhaare zu Berge stehen lassen. Und mir zeigen wie schnelllebig, konsumierend und wenig wertschätzend ein Großteil der Menschheit ist.
 Werfen wir nur mal einen Blick in die aktuellen Prospekte der großen Supermärkte in den Wochenendbeilagen des Stadtblättchens:

Was anfing mit Minutensteaks gipfelt jetzt in ein Sammelsurium an zügig zuzubereitenden Fleischprodukten wie Minutenputenbrust, Minutenschnitzel, Minutenhähnchen, Minutenschweinebauch....
Plattgeklopft für ein schnelles Durchgaren und bereit für den kleinen (Grill-)Hunger zwischendurch. 

Liebe Leute, wenn ihr schon meint Fleisch verzehren zu müssen, so nehmt euch doch wenigstens die Zeit, die es eben braucht. Gebt dem verstorbenen Tier wenigstens diesen Hauch von Wertschätzung seines Fleisches.
Und nehmt euch die Zeit, euch beim Grillen auf den gemeinschaftlichen Akt einzulassen. Lasst die Kohle durchziehen (ist eh gesünder!), führt (tiefere) Gespräche. Und führt Gespräche vorallem auch zuende. Und wartet verdammt nochmal ab!

Neulich war ich auf einer beruflichen Fortbildung und stieß da auf einen sehr interessanten Gedanken. Der Seminarleiter sprach von der "McDonalds-Mentalität". Primär ging es um die Wichtigkeit einer gemeinsam eingenommenen, gemeinsam begonnenen und gemeinsam beendeten Mahlzeit im Kindergarten. Allerdings lässt sich diese Idee hervorragend auf alle Generationen 6+ anwenden:
Heutzutage sind wir darauf konditioniert eine schnelle Bedürfnisbefriedigung zu erlangen. So wie es eben bei  McDonalds praktiziert wird. Hirn meldet: "Ich habe Hunger!", wir fahren maximal 10 km und sind da. Ist in 10-15 Minuten zu schaffen. Wir bestellen unser Wunschgericht und in weniger als 1 Minute steht es vor uns. Drei Bissen und wir sind - zumindest vorerst - gesättigt. Wieso dieses Essen so schnell auf dem (nicht vorhandenen) Teller liegen kann hinterfragt kaum jemand.

Eigentlich sollte in so einem Moment das greifen, was man "Soziales Lernen" nennt. Unter anderem besteht dies zu einem Großteil aus dem Aufschieben von Bedürfnissen. Bedürfnisaufschiebung macht uns zu einem Wesen, welches sich in eine Gruppe integrieren und in ihr umsichtig und nachhaltig agieren kann. Säuglinge können dies zum Beispiel noch nicht. Sie haben Hunger, also schreien sie solange bis wie etwas bekommen. Sie müssen auf die Toilette, also lassen sie laufen. Erst im Laufe der Entwicklung lernen wir unsere Bedürfnisse zu erkennen, zu bewerten und Prioritäten zu setzen. Und vorallem lernen wird Bedürfnisse auszuhalten.
Mittlerweile schreit jedoch vieles in unserer Gesellschaft nach sofortiger Befriedigung, quer durch alle Lebensbereiche. Seien es nun Lebensmittel, Technik, Freundschaft, Liebe oder die Freizeitgestaltung. Alles müssen immer und überall erreichbar sein, Aufgaben sofort erledigt werden.

Auch ich ertappe mich immer wieder dabei, mich von diesem Sog mitreißen zu lassen. Höher, schneller, weiter und alles am besten sofort. In meinen Augen müssen wir uns ganz gewaltig entschleunigen. Wieder lernen es auszuhalten auf etwas zu warten. Und seien es nur 15 Minuten am Grill.

Kommentare:

  1. ich glaub dem Tier ist es egal, ob es eine Minute oder zehn in der Pfanne liegt.

    und ich hab nix gegen Minuten-Menüs; Minuten-Polenta ist zb super ;-) Oder noch toller: den Minuten-Apfel: 1 Minute waschen und schneiden und schon ist er fertig. Und ne Banane ist in 5 Sekunden geschält.
    Ich finds wichtiger, sich Zeit fürs Essen selbst zu nehmen, aber wie lange die Zubereitung dauert ist doch egal.

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    1. Mir geht um die Absicht dahinter. Und ich stelle einfach mal die Behauptung auf, dass jemand der sein Fleisch in einer Minute fertig grillen will, sich auch für das Essen wenig Zeit nimmt. Es war nun mal seit Menschengedenken so, dass Fleisch und die Zubereitung von Nahrung im Allgemeinen seine Zeit brauchte. Äpfel sind da ein unpassendes Beispiel, die sind von der Natur ja so gedacht;-)

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  2. Da fällt mir aktuell der Obermist ein, den ich am Wochenende in einem Supermarktprospekt gesehen habe:

    Maggi MomentMahl

    Einen größeren (sorry für den Ausdruck) Scheiß hat echt noch keiner erfunden!!!

    Welch gesund denkender Mitmensch kauft sowas? So unnötig viel zusammengepresster Müll für 40g Instantsuppe, die nur lecker ist, weil Unmengen an Salz und Zeugs drinstecken? Und in 3 Minuten kann man den Glibsch dann aus diesem Plastikkarton löffeln?

    EKELHAFT!!!

    Es ist echt beschämend, dass wir Menschen uns auf so ein Niveau herablassen - so viel Müll für ein paar Milliliter Wasser mit Farbe & künstlichem Geschmack...

    LG, Auriel

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  3. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass je länger die Zubereitung gedauert hat, desto besser hat es geschmeckt.

    Ich war letztes Jahr für neuen Monate in Italien und dort hat man sich fürs essen immer Zeit genommen. Dort habe ich nie ein Fastfood-Laden betreten.

    Ich bin seit knapp vier Monaten wieder im Lande und muss zu meiner Schande gestehen, dass ich bestimmt über 8x bei McDonalds & Co. gewesen bin.

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