Dienstag, 20. Dezember 2011

Mein Ringen mit Wolfe. Rohkost, Baby!

Wie ihr vielleicht mitbekommen habt, lese ich zur Zeit "Die Sonnen-Diät" von David Wolfe. Er ist einer der bekanntesten Vertreter der Rohkostszene in den USA und da ich gerade das Bedürfnis habe mich mit diesem Thema etwas näher auseinander zusetzen, entschied ich mich für sein Buch.


Zuerst einmal muss ich festhalten, dass der Titel des Buches mehr als dämlich ins Deutsche übersetzt wurde. Während das englische Wort "diet" auch ganz allgemein für "Ernährungsweise" steht, meint das deutsche Wort Diät meist ausschließlich "Abnehmen". Mehr als einmal bin ich in den letzten Tagen komisch von der Seite angesehen worden als ich das Buch in der Hand hielt. Manch einer mag mich für eine durchgeknallte Figurwahnsinnige gehalten haben.
Ich bin mittlerweile bis knapp zur Hälfte des Buches durchgedrungen und wollte euch einen kurzen Zwischenstand meiner Meinung darüber geben.

Wolfe hat sich zum Zeitpunkt des Erscheinens des Buches (1999) fünf Jahre rohköstlich ernährt. Er gliedert sein Werk in vier verschiedene Teilbereiche. In die ersten zwei bin ich bereits vorgedrungen. Im ersten Teil "Grundlagen des Erfolges" legt er die spirituelle und mentale Basis für die Ernährungsumstellung. Es geht um die Macht des Denkens, Glauben und die Auswirkungen von negativen Gedanken auf uns und unseren Körper. Alles in allem ist mir dieser Teil ein wenig zu "amerikanisch". Der Autor schreibt sehr pathetisch, zergeht sich in spirituellen Höhenflügen und wiederholt sich oftmals. Und Aussagen wie (sinngemäß) "Nach dem Genuss eines frisch gepressten Fruchtsaftes konnten mein Kollege und ich plötzlich beide langfristig besser sehen" halte ich für sehr gewagt bis gefährlich. Allerdings wird einem in diesem Kapitel auch ordentlich die Seele gestreichelt und an das gute im Menschen geglaubt, was ja auch nicht das verkehrteste ist.

Der zweite Teil dreht sich um den größten und für Wolfe wichtigsten Part: Die Ernährung. Hier erläutert er unter anderem welche Nahrungsmittel man wieso und in welchen Mengen und in welcher Kombination zu sich nehmen sollte. Außerdem gibt der Autor einen kurzen Überblick über Obst- und Gemüsesorten, die man bei Krankheit seinen Säften, Smoothies und Salaten zufügen sollte. Und er zeigt auf, welche Lebensmittel man NICHT zu sich nehmen sollte.
Positiv aufgenommen habe ich die Erläuterungen der einzelnen Nahrungsmittelgruppen wie grüne Blattsalate, Samen, Sprossen etc. und ihre Unterscheidungen. Auch die beigefügten Rezepte regen zum Ausprobieren an. 
Leider habe ich aber auch an diesem Teil etwas zu auszusetzen. Für mich schreibt Wolfe zu absolut. Und mal wieder gefährlich unbelegbar. Oft stellt er Behauptungen auf wie "Dieses und jenes Gemüse sollte nicht gegessen werden, weil es dem Körper schadet", geht aber gar nicht oder kaum auf oekotrophologisch belegbare Fakten ein. Es wirkt ein bisschen so auf mich, als ob er die Welt macht "widdewiddewit, so wie sie ihm gefällt". Er fügt alles zu einem kleinen, passenden Rohkostuniversum zusammen. Und was nicht passt, wird passend gemacht. 

Der dritte Teil, der noch vor mir liegt, befasst sich mit dem Thema Gesundheit. Dem Inhaltsverzeichnis entnehme ich, dass David Wolfe hier auf Dinge wie Fasten, Entgiften und Yoga-Atmung eingehen wird. Im letzten Teil, "Gesetze des Erfolges" betitelt, stehen dann Dinge wie Sättigung, die Umkehrung negativer Erfahrungen und "grenzenlose Intelligenz nutzen" auf dem Programm.

Im Großen und Ganzen wird dieses Buch den Leser sicherlich sensibel machen für seine Ernährung und die vielen Dinge, die darin höchstwahrscheinlich falsch laufen. Insofern ist das Buch schonmal ein Gewinn. Jedoch sollte man dieses Buch sehr "selektiv" lesen. Damit meine ich das rauszufiltern, was man für sich nutzen kann und einige Dinge geflissentlich überlesen. Als relativ rationaler Mensch werde ich sonst entweder völlig meschugge oder werfe das Buch wutentbrannt an die Wand. Ich kann die Begeisterungsstürme für Wolfes Werke nachvollziehen. Er gibt dem Leser das Gefühl über den Dingen zu stehen, sein Leben komplett in der Hand zu haben, alles nur durch den Verzehr von rohem Blattgemüse, süßen und nicht-süßen Früchten sowie fetthaltige Früchte und Samen. Es gibt Momente, da gebe ich mich diesem Mikrokosmos gerne hin. In anderen Momenten läuft die medizinischen Fachkraft jedoch innerlich Amok. 
Ich nehme mein Frühstück seit einer guten Woche flüssig zu mir und fühle mich damit sehr wohl. Ob ich es schaffe noch mehr Rohkost in mein Leben einzubauen (und das ohne teure Küchenutensilien) wird sich zeigen. Dennoch werde ich David Wolfes Buch weiterhin kritisch lesen und sehen.

Zum Schluss möchte ich noch einen Abschnitt aus dem Buch zitieren, der mich beinahe schmunzeln ließ, passt er doch so gut zu meinem aktuellen Beitrag bei DIV - Deutschland is(s)t vegan:

"Die verwirrenden Meinungen zu Fett und Eiweiß sind vielleicht das größte Missverständnis auf dem Gebiet der Ernährung. Wenn jemand sagt, dass er Eiweiß brauche, ist das, was er wirklich benötigt und will, im Allgemeinen Fett. Die meisten Menschen und sogar Ernährungsexperten können zwischen dem Verlangen nach Fett und dem nach Eiweiß nicht richtig unterscheiden. Viele Vertreter der Rohkosternährung haben Nüsse zur Deckung des Eiweißbedarfes empfohlen, während der Wert von Nüssen in Wirklichkeit in ihrem Fettgehalt liegt. Die Leute können im Allgemeinen leichter auf ein Steak verzichten als auf Käse, weil Steaks vor allem Eiweiß enthalten und Käse vor allem Fett."
(Wolfe, David: Die Sonnen-Diät, S. 120, Erstauflage Goldmann 2001)

Habt ihr das Buch "Die Sonnen-Diät" gelesen oder habt ihr es noch vor? Kennt ihr andere empfehlenswerte Rohkostbücher?

Kommentare:

  1. danke, deine rezension war wirklich sehr hilfreich dadurch dass du so kritisch bist. bestärkt mich in meiner meinung, dass bei den allermeisten ratgebern irgendwer so tut, als ob er wüsste was die welt im inneren zusammenhält; aber eigentlich sind alles nur luftschlösser, die in sich zusammenfallen wenn man sie kritisch hinterfragt.
    dass blöde ist halt, dass man als laie ja gerade nicht das umfassende know-how hat, dahinterzusteigen, und dann vielleicht diesen halbwahrheiten glaubt und sich mühevoll umstellt; obwohls eigentlich jacke wie hose ist, ob man kohlrabi roh oder gedünstet isst.

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  2. Ich möchte niemanden davon abhalten das Buch zu lesen. Vielleicht finden andere es auch fantastisch und es verändert ihr Leben. Es ist nicht völliger Mist was Wolfe schreibt. Ich mahne nur zum Hinterfragen. Und da hast du recht, das tun viele leider nicht. Aber das ist ja überall so;-)

    Lieben Gruß
    Kathrin

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  3. Hallo Kathrin, dieses Buch hatte ich noch nicht gelesen, aber falls Du dir eine schnelle und umfangreiche Übersicht über alle Rohkostrichtungen machen willst, kann ich dir folgendes Buch empfehlen: Die Rohkost-Revolution von Sven Rohark. Da steht wirklich alles über Sonnenkost, Urkost, Methusalem-Ernährung über die Vertreter Jean Huntziger, Wandmarker, Konz, Arnold Ehret, Dr. Gerson und wie sie alle heißen. Ich selber habe mit der Rohkost folgende Erfahrung gemacht. Bevor ich damit anfing hatte ich eine Sehschwäche von -1,2 Dioptrien. Nach 2 Jahren Rohkost, hatte ich das Gefühl meine Augen sind schlechter geworden, da ich mit meiner Brille, die ich allerdings nur zum Autofahren aufsetzte, nicht mehr richtig sehen konnte und auch Kopfschmerzen bekam sobald ich sie aufsetzte. Ich also zum Optiker um mir eine neue Brille zu kaufen und als ich getestet wurde, sagte die Optikerin: »Hui, Ihre Augen haben sich ja von -1,2 auf -0,5 verbessert!« Da war ich baff, ich konnte deshalb mit der Brille nicht mehr richtig sehen weil sie zu stark geworden war. Nun ja, es könnte natürlich auch andere Ursachen gehabt haben, aber nicht destotrotz fühlte ich mich in meiner Rohkostzeit gesundheitlich bombastisch gut. Auch sind meine Süchte auf Schokolade komplett verschwunden. Das blöde ist nur, daß ich mich so gut fühlte, daß ich dachte nichts kann mich mehr erschüttern und habe ab und zu wieder andere Dinge als Rohkost gegessen und dann wurde es immer mehr und dann verlangt der Körper plötzlich wieder nach seinen Industriegiften. Und dann mußte ich wieder mit Willensstärke an die Sache ran gehen, die ich ja in der Rohkostphase nicht brauchte und das war der Anfang vom Ende. 100% werde ich es wahrscheinlich nie mehr schaffen, aber ich möchte versuchen, daß ich meinen Rohkostanteil wieder auf 60-70% hin bekomme.
    So, das war es schon mit meiner kleinen Geschichte, ich wünsch dir noch viel Spaß mit dem Erforschen der Rohkost :-)
    Liebe Grüße, Doris

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  4. Hallo Kathrin!
    Ich habe das Buch vor Jahren mal gelesen und habe es auch immernoch irgendwo rumstehen. Ich weiß noch, dass ich es auch nicht wissenschaftlich genug fand. Wolfe behauptet viel, einiges davon macht auch Sinn, aber mir fehlen da die Belege. Und nur weil er persönlich und vielleicht noch ein oder zwei andere Leute bestimmte Erfahrungen gemacht haben, ist das noch lange nicht auf jeden Menschen übertragbar. Das von Dir genannte Beispiel mit dem besseren Sehen ist da sehr passend!
    Also ich würde sagen, dass es ein gutes Buch für den Einstieg sein kann, da der Autor so überzeugt ist von dem was er sagt und das motiviert möglicherweise, aber um sicher zu gehen was man tut, wenn man auf Rohkost umsteigen will, sollte man doch besser noch weitere Bücher lesen die umfangreicher recherchiert sind.

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