Samstag, 24. September 2011

Heile Welt in Kinderbüchern? Milch von glücklichen Kühen und lachende Schweine in der Fleischerei.

Ihr kennt bestimmt den Witz mit dem Kind welches auf die Frage "Woher kommt die Milch?" antwortet: "Aus dem Kühlschrank."
Im ersten Moment schmunzelt man, dann regt man sich über die Verdummung der heutigen Generation durch Marketing und Medien auf und am Ende greift man wieder zur 49 cent Tüte im Regal.

Als Erzieherin erlebe ich beinahe täglich solche Situationen. Da wird der Apfel aus dem eigenen Garten beim gemeinsamen Frühstück als "total sauer und eklig" empfunden und weggeschmissen. Die aus dem Supermarkt würden ja viel besser schmecken. Oder man präsentiert einen mit Mühe gemalten Osterhasen und erntet Kommentare wie: "So sieht aber kein Osterhase aus, du musst ihm noch ein Band mit einer Glocke ummalen." Da weiß man dann, was an Ostern immer im Nest liegt...
Mein Lieblingssatz ist der eines kleinen dreijährigen Jungen der mich am Mittagstisch frage, wieso ich denn kein Fleisch esse. Kindgerecht erklärte ich ihm die Lage und er fragte: "Isst du denn Hühnchen?". Ich verneinte und sagte, dass ich nichts esse was Augen hätte. Da schaute er skeptisch auf seinem mit Schnitzel gefüllten Teller, blickte mich scharf an und erwiderte: "Aber das Fleisch hat doch gar keine Augen!"

Ich erwarte nicht, dass man kleine Kinder mit aller Schonungslosigkeit auf die Grausamkeiten dieser Welt vorbereitet. Oder das man missionierend am Tisch sitzt und ihnen erzählt, dass sie ab heute kein Fleisch mehr essen sollen. Aber ich erwarte, dass man sie zu verantwortungsbewussten Menschen heranwachsen lässt. Verantwortlich für sich, für ihre Mitmenschen und für unseren Planeten.
Da entdecke ich gestern zwei Pixi-Bücher. Wer kennt sie nicht aus eigenen Kindertagen? Mittlerweile scheint das Ganze jedoch eine wirklich merkwürdige Entwicklung genommen zu haben.

Eines der Bücher stellt den Beruf des Fleischermeisters vor. Soweit so gut. Allerdings sind die einzigen Tiere die in diesem Buch gezeigt werden eine glücklich grinsende Kuh und ein freundlich lachendes Schwein auf Fotos mit Bauern, die im Büro des Fleischermeisters hängen. Kommentiert wird das Bild mit den obligatorischen Sätzen "Unsere Tiere haben ein gutes Leben." und "Unsere Wurst ist die Beste."
Das Tierlichste was die Kinder in dem Büchlein zu sehen bekommen ist Fleischbrät. Eine undefinierbare Masse aus Fleisch und Gewürzen aus der die Wurst gepresst wird. Alles begleitet von einem kleinen Jungen, der am Ende eine Wurst geschenkt bekommt, genüsslich hineinbeißt und ein lautes "Lecker!" lesen lässt.

Noch dreister finde ich ein Pixi-Buch aus dem Hause Hansano. Da wird von glücklichen Kühen berichtet, die ein Kälbchen bekommen und Milch geben. Und von noch glücklicheren Menschen, die jetzt sogar ein bisschen was von der Milch abbekommen können, weil die Kuh mehr gibt, als das Kalb braucht. 
Kühe werden in der Melkmaschinerie gezeigt und es wird betont, dass ihnen das überhaupt nicht weh tut und das sie das gerne machen. Fühlt es sich doch für die an, als würde sie ein Mensch melken. Am Ende dann noch der belehrende Satz, dass der Protagonist des Heftchens seine Milch am liebsten dreimal am Tag trinkt.

Ich bin wie gesagt keine Missionarin. Sollen die Menschen so wie sie wollen. Ich wünsche mir nur, dass sie irgendwann "anders" wollen. Ich versuche einen gesünderen Lebensstil vorzuleben. Auch Kindern. Ich merke, dass bei einigen im Kopf etwas hängenbleibt. Manchmal bekomme ich mit wie Kinder, die mich noch nicht so gut kennen fragen, wieso ich beim Mittagessen kein Fleisch esse. Und oft antwortet ein anderes Kind für mich. Oder ich unterhalte mich mit Eltern über Kochvorhaben mit den Kindern und ganz nebenbei fällt etwas wie "Achja, sie essen ja kein Fleisch." Da merke ich, dass das zuhause Thema war. 

Ich möchte niemandem schlechte Träume bescheren, deshalb halte ich mich wirklich sehr, sehr zurück. Meistens erzähle ich, dass ich auch so gut satt werden und lecker essen kann, ohne das ein Tier für mein Essen stirbt. Das verstehen alle Kinder. Zumindest die, die wissen, dass das Schnitzel vom Kalb stammt und mal Augen hatte.


Kommentare:

  1. Hey :)

    Ich kann dich gut verstehen. Habe kürzlich bei einer befreundeten Familie ein Kinderbuch über Bauernhöfe mit Tieren gelesen und finde es sehr bedenklich wie naiv teilweise mit der Thematik umgegangen wird.
    Wahrheit kindgerecht wäre doch mal schön.

    Habe mir kürzlich mal das Kinderbuch "Warum wir keine Tiere essen" von Ruby Roth gekauft. Für was für eine Altergruppe es geeignet ist, kann ich leider nicht schätzen. Aber ich fand es ingesamt schon relativ gut gelungen.

    LG

    AntwortenLöschen
  2. Hallo liebe Erbse,
    danke für deinen Kommentar. Wie gesagt, ich hatte das Roth-Buch schon online im Auge, bin dann aber irgendwie davon abgekommen. Werde es mir nun aber zulegen. Als Erzieherin ist es ja quasi meine Pflicht mich damit auseinanderzusetzen^^.
    Ich habe die Bücher gesehen und die Postidee war sofort geboren. Interessantes Thema.

    Liebe Grüße
    Kathrin

    AntwortenLöschen
  3. Ach du Schande, diese Bücher gehören ja verboten. :(

    Ich finde es schade, wie wenig Kinder heutzutage noch wissen woher die Lebensmittel kommen, die auf ihrem Teller zu finden sind.
    :(

    AntwortenLöschen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.