Sonntag, 11. September 2011

"Cradle to cradle": Von der Wiege zur Wiege. Vom idealen Rohstoffkreislauf.

Neulich las ich in der "Schrot & Korn" einen interessanten Artikel zum Thema Recycling. Interviewt wurde der Geschäftsführer der Kosmetikmarke i&m Jörg von Kruse. Die Firma habe ich auf meinem Blog bereits vorgestellt, im Grunde sind Namen hier aber auch egal. i&m dient in diesem Falle nur als Beispiel.
Viel interessanter ist das Produktionskonzept. "Cradle to cradle", also "von der Wiege zur Wiege". 

Zur Zeit recycelt der Großteil der Industrie "von der Wiege zur Bahre". Das heißt, dass es kaum biologische und technische Nähr- und Wertstoffkreisläufe ohne Abfall gibt. Dies führt unweigerlich zu einem Müllberg. Laut von Kruse gehen beim Recycling heutzutage viele Rohstoffe verloren. Er spricht von einem "Downcycling". Im Schnitt durchläuft ein Produkt zwei bis drei Kreisläufe und bei jedem nimmt die Qualität etwas ab. Das liegt daran, dass Produkte aktuell oft aus vielen verschiedenen Stoffen bestehen, die nicht mehr 100%ig aufgespalten und aufgearbeitet werden können.

Das "Cradle to cradle"-Konzept hingegen basiert auf Sortenreinheit. Bereits heute ist es möglich ziemlich zielgenau einzelne - reine! - Bestandteile aus dem Müll zu filtern. Im Artikel wurde das Beispiel Polypropylen genannt, der Stoff aus dem die Airless-Pumpspender der Firma sind. Diese sind bei i&m Monoverpackungen, das heißt, sie bestehen nur aus diesem einen Stoff. Selbst die Feder, die bei anderen Firmen aus Metall und somit wieder aus einem anderen Material ist, konnte aus dem mit wenig Energie zu produzierenden Propropylen hergestellt werden. Dies war laut von Kruse ein schwieriges Unterfangen, führt aber zu einem 100%ig geschlossenen Wiederverwertungskreislauf.

Von Kruse spricht aber auch über die Grenzen dieses Konzeptes. So bezieht seine Firma ihr Polypropylen von einem Verpackungshersteller, der seine Rohstoffe wiederum bei einem der weltweit größten Chemieproduzenten aus Saudi-Arabien einkauft. Dieser hat natürlich kaum Interesse daran seine Zusammensetzungen offen zu legen, fallen diese doch unter das Betriebsgeheimnis. Um Licht ins Dunkel zu bringen, hat der Erfinder des "Cradle to cradle"-Konzeptes, Prof. Dr. Michael Braungart die EPEA Internationale Umweltforschung GmbH ins Leben gerufen. Sie zertifiziert unter anderem Firmen mit eben solchen Monoverpackungen wie i&m sie verwendet.Wer mehr über dieses Thema erfahren möchte, findet im Netz Einiges dazu.

Ich selbst hatte von dieser Problematik vorher noch nicht gehört, war aber umso überraschter wie logisch das Ganze am Ende ist. Vielleicht geht ja auch ihr demnächst mit anderen Augen durch die Regale.

Quelle: Schrot&Korn August 2011

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