Montag, 8. August 2011

Greenwashing oder wie Firmen ihre Hände in (grüner) Unschuld waschen

Fängt mal einmal an sich mit Inhaltsstoffen zu beschäftigen, sieht man sie irgendwann überall: Die Augenwischerei mit denen Firmen und Konzerne uns weismachen wollen, dass sie ökologisch/biologisch/moralisch korrekt produzieren. 

Mir war das Ganze schon lange ein Dorn im Auge und endlich gibt es auch einen Namen dafür: GREENWASHING

Der Begriff ist ein Wortspiel aus den englischen Wörtern green (grün) und dem Begriff whitewashing, was soviel bedeutet wie "sich reinwaschen". 
Gemeint ist das Verhalten von Firmen, die auf den aktuellen - positiven! - Trend des nachhaltigen Lebensstils aufspringen, aber nicht den Preis dafür zahlen wollen. Denn green kostet Geld, auch die Firmen. Es müssen Produktionsstandards verbessert und regelmäßig überprüft, faire Löhne gezahlt und zertifizierte Rohstoffe eingekauft werden. Natürlich schlägt sich das alles auch auf den Endpreis für den Verbraucher nieder. Und der ist gegebenenfalls abgeschreckt. Nicht jeder sieht ein, dass er oder sie für ein Mehr an Nachhaltigkeit und Fairness auch mehr bezahlen muss.

Da ist es einfacher möglichst billig zu produzieren und sich nur einen grünen Anstrich zu verleihen. Den Verbraucher freut's, hat er doch was er vermeintlich möchte: "Bioprodukte" für wenig Geld.

Mein Lieblingsbeispiel hierfür ist das im Ausland schon lange bekannte "Bio-Oil". In Deutschland haben sie es gleich umbenannt in "Bi-Oil". Wahrscheinlich sind wir alle mittlerweile einfach zu grün um uns vera****en zu lassen. Die Deutschen waren ja immer ein Volk von Korinthenkackern;-)

Mit keinem Wort schreibt die Firma, dass dieses Produkt besonders ökologisch oder biologisch wäre. Aber alleine der Begriff "bio" im Namen wird bei vielen KundInnen sicherlich so manche Erwartungen wecken.

Es handelt sich hierbei um ein Körperöl welches gegen allerlei Wehwehchen helfen soll. Interessant hier schon die Webpräsenz, beziehungsweise vielmehr die Auflistung der Inhaltsstoffe. Normalerweise geschieht dies nach Gewichtung in der Gesamtrezeptur. Je weiter vorne ein Inhaltsstoff in der Liste steht, desto mehr ist von ihm im Produkt enthalten. Hier allerdings beginnt man mit den pflanzlichen Inhaltsstoffen, die, schaut man auf die offizielle Deklaration auf der Umverpackung, in verschwindend geringen Mengen enthalten sind.

Der Hauptbestandteil, nähmlich Paraffinum Liquidum, steht weiter unter unter "Ölbasis". Paraffinum Liquidum ist der wohlklingende, lateinische Name für eine ursprünglich schwarze, zähe, stinkende Masse: Erdöl. Paraffinum Liquidum ist ein künstliches Öl auf Erdölbasis. 
Es gibt Menschen, die es in Cremes schätzen, da es keinerlei Allergenpotenzial hat. Allerdings sei darauf hingewiesen, dass dieses Öl auf Dauer die Haut "abdichtet" und somit, ähnlich wie Silikon, austrocknen kann. Auch Faltenbildung kann langfristig begünstigt werden. Interessant, da viele dieser Cremes ja gerade für reife Haut ausgewiesen sind. Und zu guter Letzt sollten wir uns alle Fragen, ob wir diesen Rohstoff so dicht an unsere Haut lassen möchten. Er ist nicht erneuerbar, steht in Verdacht sich in Leber und Nieren abzulagern und mit "bio" hat er so gar nichts zu tun.Doch das nur am Rande. Mir geht es hier ja eigentlich um etwas anderes. 
Zur Veranschaulichung habe ich euch mal Screenshoots der Homepage des Herstellers gemacht.

Internationale Version:                                   











Deutsche Version:











Deklaration laut Homepage:

















Quellen: bi-oil.com und bio-oil.com

Die Umverpackung habe ich leider gerade nicht in der Hand. In der Drogerie eures Vertrauens könnt ihr euch aber jederzeit von der Richtigkeit meiner Angaben überzeugen.

Ich habe hier nur eines von vielen Beispielen ausgewählt, die mir in der letzten Zeit immer wieder ins Auge gestochen sind. Ich könnte weiter machen mit den neuen "Bio"-Produkten von Garnier. Garnier gehört zu L'oréal. Und dieser Konzern ist zum einen bekannt für seine zum Teil äußerst gesundheitsschädlichen Inhaltsstoffe wie Phtalate und Co. und zum anderen dafür Tierversuche in Auftrag zu geben und auch selber durchzuführen.
Inwieweit man so etwas, trotz BDIH-Siegels des Produktes, unterstützen möchte bleibt am Ende jedem selbst überlassen. Überlegt euch aber bitte wieviel so ein Siegel noch Wert ist, wenn das Geld am Ende dennoch bei einem solchen Mutterkonzern landet.

Und damit hört es nicht auf. Sei es der Stromriese RWE, der mit Strom aus Wasserkraft wirbt, jedoch nur 2% seines Stromes aus erneuerbaren Energien gewinnt oder McDonalds, plötzlich pseudo-ökologisch mit grünem Logo.

Natürlich kaufe auch ich nicht immer "bio". Aus Kostengründen und auch aufgrund von mangelnder Verfügbarkeit in meinem Ort. Aber wenn ich konventionelle Produkte kaufe, möchte ich sie als solche sofort erkennen können. Und wenn ich wiederum ein biologisches Produkt kaufe, möchte ich hinterher nicht feststellen müssen, dass es meinem Ansprüchen doch nicht entspricht.
Siegel sind nicht alles. Mittlerweile wissen viele, wie "weich" zum Beispiel das EU-Biosiegel ist. Und das auch Konzerne die normalerweile Tierversuche betreiben für einzelne Produkte gerne mal ein eigentlich tv-freies Siegel bekommen.

"Inform yourself" und bleibt aufmerksam!

Nun wüsste ich gerne von euch, liebe Leserinnen und Leser: Kennt ihr euch solche "Greenwashings" und mögt darüber kurz berichten? Ist euch beim Blick durch die Regale etwas aufgefallen, auf das ihr aufmerksam machen möchtet?



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