Freitag, 22. Juli 2011

Vegan und Leder - passt das zusammen?

Ich bin Vegetarierin und pro-vegan. Aber für 100% hat es noch nicht gereicht.

Eines meiner "Hauptprobleme" hierbei ist mein Hobby: Geschichtsdarstellung.
Eine Wikingerin mit Plastikschuhen? Undenkbar! Ohne Trinkhorn? Pfffff!
Ich LIEBE Leder. Das Gefühl, den Duft, die Haltbarkeit, das Aussehen. Ich stehe dazu: Ich finde es ist ein unglaublich schönes Material.

MyPaperBag in original mit kurzen Henkeln

Wenn nicht soviel Leid daran hängen würde.

Es ist ein Irrglaube, dass ein Großteil des Leders für die Bekleidungsindustrie aus Schlachthöfen stammt und ein Abfallprodukt der Fleischwirtschaft ist. Schön wär's! Die Bekleidungsindustrie und ihr Lederbedarf sind ein Industriezweig für sich. Der Bedarf ist viel zu groß, als dass handelsübliche Schlachthöfe diesen decken könnten.
Zudem wird bei Leder für Kleidungsstücke besonders auf die Qualität geachtet. Vorallem weiches Leder ist "in" und wird als edel und hochwertig angesehen. Und machen wir uns nichts vor: Ja, dieses stammt fast ausschließlich von Kälbern. Um möglichst wirtschaftlich und effizient zu arbeiten, werden sogar künstliche Frühgeburten eingeleitet, um möglichst schnell, möglichst viel dieses Rohstoffes zu gewinnen.

Ein Großteil des Leders welches in den westlichen Indrustrienationen verarbeitet und verkauft wird stammt aus Indien. Moment, Indien? Sind Kühe da nicht heilig? Jepp, und deswegen werden sie hunderte Kilometer zu Fuß in Gebiete getrieben, in denen die Bevölkerung überwiegen christlich oder muslimisch ist, um sie dort "effizient zu verarbeiten". Jeder wird sich ausmalen können wie das aussieht....
Wenn einer Kuh unterwegs die Puste ausgeht - Wasser gibt es nämlich oft keines - wird ihr Chili oder Pfeffer in die Augen gerieben um sie anzutreiben. Schläge müssen wohl dosiert sein, das teure Leder soll ja möglichst wenig beschädigt werden.

Soweit zu den Tieren, aber das Leid geht noch weiter. In der industriellen Verarbeitung wird mit Chemikalien gearbeitet um das Leder zu gerben, zu "verschönern", haltbar zu machen. Mit gefährlichen Chemikalien. Meine Chemie-Vier hält mich davon ab näher in dieses Thema einzutauchen, aber glaubt mir: Mensch und Natur vertragen diese Substanzen NICHT gut. Ganz zu schweigen von den Hungerlöhnen für die die ArbeiterInnen das alles ertragen müssen.

Ich habe mir also lange den Kopf zerbrochen und mich regelmäßig schlecht gefühlt, wenn ich etwas mit Leder an mir getragen habe. Denn im Grunde WEIß ich ja was falsch läuft.


Kaat Geevers für goodforall

Nun bin ich neulich über Facebook (genauergesagt über Kaat, die Sängerin der niederl. Band "LEAF" und Gastmusikerin von "Omnia") auf eine kleine Gruppe in den Niederlanden gestoßen, die tatsächlich nur Leder von Tieren verwendet, die eines natürlichen Todes gestorben oder leider in Schlachthöfen gelandet sind (Ja, die Tiere werden trotzdem getötet. Aber besser als gar nichts, oder?). Und das auch noch "organisch", also ohne giftige Chemikalien. Und zu guten Preisen für die Arbeiten. Und.......ich möchte eine Tasche aus diesem Leder haben:-)

MyPaperBag in blond mit langen Henkeln

Ich habe mich sofort verliebt. Sie sieht tatsächlich aus wie eine echte Papiertüte. Neckisch. Die Ökos unter uns werden sie aus diversen Bioläden kennen. Ideal für mich, weil groß, eckig und auch mit langen Henkeln erhältlich. Ich arbeite in einem Kindertagesstätte und muss häufig Bücher und Ordner mit mir herumschleppen, möglich auch noch bruchsicher und schmutzresistent verpackt. Passt. Mit knapp 100€ ist die Tasche sicherlich kein Schnäppchen, aber es überlege sich jeder was alles dahinter steckt: Junge Existenzgründung, faire Löhne, chemiefreies, nachhaltig "erwirtschaftetes" Leder und somit auch "Resteverwertung" sowie ein Stück Natur welches hoffentlich auch ein halbes Leben hält. Mit der Zeit kommt sicherlich etwas Patina dazu, aber diese macht das Leder in meinen Augen nur noch attraktiver.

Wer neugierig geworden ist und mehr über ökologisches Leder und eco-fashion im Allgemeinen erfahren möchte, kann sich gerne bei goodforall umschauen.

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P.S. Ich habe diesen Eintrag aus persönlicher tiefer Neugier, Begeisterung und Motivation geschrieben.


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