Donnerstag, 28. Juli 2011

"Lovos", oder wie ich lernte, dem Minimalismus zu frönen.

Ich bin eine Jägerin. Und eine Sammlerin.
Erst jagen. Im Netz, auf der Straße, in Zeitschriften. Und dann, wenn man es gefunden und "erlegt" hat: Sammeln. Leidenschaftlich. Man kann ja alles irgendwann nochmal gebrauchen. Oder tragen. Oder hören.

Dachte ich bisher. Beziehungsweise ließ ich mich denken, da zu meinem Sammeltrieb auch noch eine gehörige Portion Verlustangst dazu kommt. Bloß nichts wegwerfen, alles hat seine Daseinsberechtigung in meiner Wohnung. Die Schuhe fangen auf der Müllkippe bestimmt an zu weinen.
Bis ich neulich einen Artikel über einen Mann las, der mittlerweile mit nur 100 Gegenständen in seinem Leben auskommt. Ich habe das mal grob überschlagen: Für mich völlig undenkbar. Alleine mein Bad würde gut und gerne 40 Artikel besetzen. Aber der Artikel machte mich nachdenklich.


Ich bin grün. Meine Lieblingsbeschäfigung ist es, mich über die Missstände der Welt aufzuregen und darüber nachzudenken, wie ich sie verbessern könnte.

Ich trenne Müll, ernähre mich vegetarisch, spare Strom, kaufe weitestgehend Bio, fahre Rad oder gehe zu Fuß. Und rege mich über diesen Konsumwahn auf. Mit Leidenschaft. Immer höher, schneller, weiter. Leuteverdummung in den Medien, Werbung wohin man sieht. Der neuste Trend auf dem Rücken minderbezahlter, vergifteter ArbeiterInnen. Und dann lese ich in einem Frauenforum Äußerungen leidgeplagter Damen, deren Drama daraus besteht, dass ihnen ihr Puderdöschen heruntergefallen ist. Danke, und in Afrika gibt es keine Sahne auf dem Kuchen....

Ich mache mich nicht frei von solchen Dingen (abzüglich der Puderdose), aber ich kam doch deutlich ins Grübeln. 100 Dinge waren utopisch, soviel war klar. Ein 100%iger "Lovos" (engl. „Lifestyle of Voluntary Simplicity“) würde ich wohl niemals werden. Aber ich brauchte Luft zum atmen, mehr Platz, weniger "Besitz". Ich nahm mir vor nur noch wenige, dafür hochwertige Kleidungsstücke zu kaufen. Früher tappte ich immer in die "Kaufst du billig, kaufst du zweimall"-Falle. Mindestens einmal im Monat durften ein paar neue Teile mit, die alle ziemlich nach Chemie stanken, aber nach einmal Waschen sicherlich maifrisch werden würden. Das wurden sie, allerdings auch formlos und unschön. Mein Schrank quoll über vor Sachen, die ich zum Teil nur wenige Male getragen hatte. Ich hatte keinen Bezug zu meinem Kleiderschrank. Auch nicht zu meinem CD-Regal. Dutzende Silberlinge stapelten sich ungehört, daneben zig DVDs, die ich einmal und nie wieder gesehen hatte.

Beginnen wollte ich mit meinen Klamotten. Und dabei stieß ich schon auf das erste Problem. Die Altkleidercontainer sind mir nicht ganz koscher, zu oft hört man davon, dass die Kleidungsstücke für teuer Geld nach Afrika verkauft werden. Eine Kleiderkammer gibt es in meinem Ort nicht. Zum Glück meldete sich eine Bekannte, die eine mittellose Frau betreut, die mit meinen Sachen hoffentlich noch was anfangen kann.
Durch einen Tipp kam ich dann an momox. Zugegebener, die Preise die sie für einzelne CDs und DVDs zahlen sind lächerlich, aber die Menge macht's. Ideal für Menschen die einen Hausstand auflösen oder wie ich eine jahrelange Sammlung loswerden wollen. Insgesamt habe ich ca. 80 Artikel versendet und dafür rund 110€ bekommen. Und 'ne Menge an Platz in der Bude.
Herrlich. Das fühlt sich gut an. Wirklich. Ich bin vieles losgeworden, ohne wirklich Müll zu produzieren. Alles hat eine neue Bestimmung bekommen.

Danach habe ich ein bisschen Geld in die Hand genommen und ein paar mittelpreisige, hochwertige und hoffentlich langlebige Klamotten gekauft. Die ich untereinander kombinieren kann und in denen ich mich 100%ig wohl fühl. Wo nichts zwickt, zwackt oder rausguckt. Auch da bin ich zu oft Kompromisse eingegangen, weil die Sachen "schick" waren. Fündig geworden bin ich unter anderem bei fairliebt aus Hamburg. Das kleine Label stellt Mode aus Bio-Baumwolle und zu fairen Konditionen für die Produzenten her. Noch dazu mit teilweise sehr aussagekräftigen Aufdrucken auf umweltfreundlicher Wasserbasis. Sehr unterstützenswert wie ich finde. Am besten immer mal wieder reinschauen, da immer wieder neue Designs dazu kommen.

Ich war bei reiner Baumwolle jahrelang sehr skeptisch. Ich hatte Angst, dass die Kleidung einläuft oder zu schnell knittert. So habe ich immer darauf geachtet Mischgewebe zu kaufen. Nun wage ich mich immer öfter an GUTE Baumwolle und stelle fest, dass sie sich deutlich angenehmer trägt, oft nicht deutlich mehr "knüllt" als andere Stoffe und auch netter zur Umwelt ist. Meine Shirts sind mittlerweile einmal gewaschen worden und Stoffe und Druck sind noch so schön wie vorher. Meine Verlustangst ist also bisher unbegründet;-)

Wie ist das bei euch? Worauf legt ihr Wert und was tut ihr für ein gutes Gefühl - für euch und unsere Umwelt?

Kommentare:

  1. Ich verstehe deine Gedanken im Moment total gut. Ich verabschiede mich auch gerade nach und nach von dem "Zu Viel" in meinem Leben. In eben den Bereichen, die du auch beschreibst, Klamotten, Kosmetik..allgemein diese doch recht oberflächlich-Glück-verschaffenden Dinge.

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  2. Mir geht es derzeit ähnlich, ich muss mich endlich von so einigem trennen. Der Plan ist es, im Frühjahr das Meiste auf dem Flohmarkt los zu werden, ein paar Sachen ggf. auch bei Momox oder Rebuy.
    Aber von meinen Büchern kann ich mich nicht trennen *lach* :D

    Ach und Musik kaufe ich nur noch als MP3 über Amazon, Cds brauche ich so nur noch selten. Ich brenn mir ab und an mal aus den gekauften Mp3 Dateien eine CD, aber das war es auch :)

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