Mittwoch, 9. Dezember 2009

DIY: Teil I - Übers Räuchern

Räuchern ist so alt wie die Menschheit.
Eines schönen Abends (ich vermute mal das es Abend war, tagsüber werden unsere Vorfahren sicher in der Gegend rumgedüst sein) saßen ein paar Steinzeitmenschen – nagelt mich nicht auf die Gattung fest!- im Kreis und starrten in ein Feuer. Einem war langweilig (was kann man in einer schlecht belüfteten, schlecht beleuchteten und kargen Höhle auch schon tun?) und spielte mit einem Fichtenzweig herum. Da fielen ihm einige der Nadeln ins Feuer und siehe da – irgendwas passierte. Es roch komisch. Komisch? Hmm, anders. Ui, tolle Entdeckung. Geht das auch mit was anderem?
Die nächsten Abende verbrachte unser Höhlenmensch damit verschiedenste Dinge ins Feuer zu werfen. Nasses Laub? Äh nee, keine gute Idee. Grauer Stein? Nix passiert. Wacholder? Oh ja, das ging schon eher. Tannenharz? Ui, das riecht nett.

Die anderen Höhlenbewohner fanden Gefallen am Tun unseres Helden, denn es änderte die Atmosphäre, entspannte, regte an und vertrieb schlechte Gerüche. Regelmäßig warfen sie nun getrocknete Pflanzenteile und Harze ins Feuer – es wurde zu einem Ritual.
Irgendwann war auch mal etwas Psychoaktives dabei und der der die Nase am nächsten am Feuer hatte wurde – schwuppdiwupp – zum Schamanen der Sippe erklärt.

Die sich langsam nach oben schlängelnde Rauchsäule wurde zur Verbindung zu den Göttern.
Der Rauch transportierte Wünsche, Sehnsüchte und Hilferufe zu Ahnen und Geistern.

Irgendwann trat die Kirche auf den Plan und da sie ja schon immer mit Vorliebe bereits bestehende Glaubensrichtungen und Rituale für sich adaptiert hat, nahm sie sich kurzerhand den Weihrauch und schwängerten damit die Kirchenluft. Der Rauch desinfizierte Räume, verbesserte die Akustik und lullte die Leute wahrscheinlich auch genügend ein, um die damals noch Stunden dauernden Predigten über sich ergehen zu lassen.
Auch heute ist für viele Menschen die Kirche das erste was ihnen beim Wort „Räuchern“ oder „Weihrauch“ einfällt. Dabei gewinnen gerade in der heutigen Zeit natürliche Wohlgerüche wieder immer mehr an Bedeutung. Von überall senkt sich der Qualm der Fabriken, Autoabgase und künstliche Aromen auf uns herab. Wir suchen wieder nach einer Verbindung zur Natur, wollen uns rückbesinnen auf unserer Innerstes und rudimentäre Erinnerungen aus längst vergangenen Zeiten.

Ob wir nun aus spirituellen oder rituellen Gründen räuchern oder einfach nur die wunderbaren Gerüche die uns Mutter Natur schenkt genießen wollen – es gilt einige Dinge zu beachten, damit dem ungetrübten Raucherlebnis nichts im Wege steht.


Die Praxis

Vorneweg möchte ich sagen, dass es keiner großen Profiausstattung, einem Apothekerschrank voll kostbarer Inkredenzien und einer Ausbildung in Hogwartscher Magie gebraucht, um sich dem Thema „Räuchern“ zu nähern! Aber dazu später mehr. Zuerst einmal muss man wissen, dass es verschiedene Arten des Räucherns gibt – festes und loses Räucherwerk. Ersteres ist der Überbegriff für Räucherkegel, Räucherstäbchen und dergleichen, die ein ebenso schönes Dufterlebnis bescheren können, wie Drogen (getrocknete Pflanzenteile, nicht das was ihr denkt;-)). Alleine der visuelle Effekt ist natürlich deutlich geringer. Auch kann man mit festen Räucherwerken magisch arbeiten. Hierfür ist nur zu beachten, dass das Räucherwerk aus NATURREINEN Bestandteilen besteht. Künstliche Räucherstoffe sind energielos, tot und für rituelle Arbeit nicht zu gebrauchen.

Ich möchte mich nun aber dem losen Räucherwerk zuwenden. Dies bezeichnet alles, von der Baumwurzeln übers Blütenblatt bis hin zum Edelstein. Edelstein? Huch, brennt der? Jein, aber auch dazu später.





Zu Beginn müsst ihr euch mit euch selber einigen, ob ihr auf einem Sieb oder auf Kohle räuchern wollt. Ersteres blökert bedeutend weniger, rußt weniger und riecht meist stärker nach dem eigentlichen Räuchergut, da der Verbrennungsgeruch der Kohle fehlt. Letzteres ist „uriger“, oft etwas nachhaltiger und erzeugt einfach den besseren Showeffekt. Zudem verlängert sich das ganze Ritual durch die Kohle manchmal deutlich, was unter Umständen durchaus wünschenswert sein kann.
(Die Indianer Nordamerikas räuchern oft auch auf heißen Steinen und in Japan legt man dünne Metallplatten auf glühende Kohle und lässt das Räucherwerk nur verflüchtigen, der Brennvorgang entfällt dort ganz. Das aber nur am Rande.)



Variante 1: Räuchern auf dem Sieb

Hierfür braucht ihr ein:

*Gestell (es geht je nach Beschaffenheit auch eine handelsübliche Aromalampe)
*ein Sieb (gibt es einzeln im Räucherbedarf oder bei ebay für rund 6-10 Euro)
*und ein Teelicht
*evtl. Räucherlöffel oder -zange zum Auflegen des Räuchergutes, Finger tuns aber auch.

Et voilá.
Um die Langlebigkeit des Siebes zu erhöhen, kann Alufolie aufgelegt oder eine kleine Schicht Quarzsand daraufgestreut werden. Es gibt Räucherwerke, z.B. Harze, die beim Abbrennen flüssig werden. Da kann es schon mal passieren, dass ein, zwei Tropfen durch das Sieb fallen. Im schlimmsten Falle triffts die Flamme und sie geht aus. Mehr passiert nicht. Einziger Nachteil: Das Sieb verklebt etwas, was mit Putzmittel (ein Hoch auf die Moderne!) aber leicht zu beheben ist. Ankokelt wird euer Sieb so oder so. Das ja aber auch nur ein Zeichen dafür ist, dass mit dem Sieb gearbeitet wird.

Ihr gebt einfach etwas von eurem Räuchergut auf das Sieb, macht die Kerze an und lehnt euch zurück. Entweder fängt es irgendwann an kokelig zu riechen, dann nehmt ihr das Räuchergut herunter und füllt gegebenenfalls neues auf oder es riecht irgendwann nach nichts mehr. Viel mehr kann nicht passieren.


Variante 2: Räuchern auf Kohle

Hier wird’s ETWAS defizieler, aber auch spannender.

Ihr braucht:

*eine Räucherschale

Hierbei ist es wichtig aus welchem Material die Schale besteht. Es gibt sehr günstige (1-2 Euro) aus leichtem Metall, ich nehme an aus Aluminium. Ich habe in meiner sowohl mit als auch ohne Sand geräuchert. Ohne Sand wird es SEHR heiß und so hänge ich diese Räucherschale einfach anstelle des Siebes in mein Gestell. Mit Sand kann man die Schale anfassen und auch u.U. auf einen feuerfesten Untergrund stellen. Schalen aus Ton, Keramik oder Holz sollten immer mit Sand verwendet werden, da die Schalen sonst springen oder ankokeln können. Auch hier muss es keine ausgeschriebene Räucherschale sein. Eine Müslischale (wie uncool), ein Tonschälchen oder Omas goldene Schmuckdose tuns auch.

*Sand

Lasst euch hier bitte nicht das Geld aus der Tasche ziehen. Es braucht keinen bei Vollmond von einer rothaarigen Jungfrau gesiebten Wüstensand. In meinem Falle tut es schnöder Chinchillasand aus dem Tierbedarf. Zur Not kann auch jede Sandkiste geplündert werden.

*Räucherkohle

Die bekommt ihr im Räucher-, Magie- oder Esoterikbedarf. 10 runde Kohlestücke (es gibt zwei verschiedene Größen) kosten um einen 1-1,50 herum. Großpacks mit 100 Stück sind meist günstiger. Der Kohle ist meist Kaliumnitrat/Salpeter zugefügt, was zu einem besseren und schnelleren Abbrennen führt. Diese Beimischung hat allerdings zur Folge, dass das Anzünden der Kohle mitunter durchaus effektvoll sein kann – es sprüht Funken wie bei einer Wunderkerze. Im Umkreis von gut 30 cm sollte nichts Brennbares liegen!

*evtl. Räucherlöffel oder -zange zum Auflegen des Räuchergutes, Finger tuns aber auch.

Bei dieser Räuchervariante verfahrt ihr wie folgt:

Schale mit Sand füllen, Kohle lose auf den Sand legen (bitte nicht in eine Kuhle legen oder hineindrücken. Da kann es passieren, dass an den unteren Teil der Kohle keine Luft kommt und sie nicht richtig durchglüht). Nun zündet ihr die Kohle an einer Ende an - Vorsicht Funkenflug. Mutige zünden sie an einer Kerze an und legen sie dann in die Schale. Ich trau es mich nicht.

Nun könnt ihr sehen, wie die Funken sich regelrecht durch die Kohle fressen. Die Kohle beginnt dann von innen heraus zu glühen. Die ersten Minuten ist das ganze recht unspektakulär, man sieht so gut wie nichts. Nach und nach bildet sich dann eine weiße Ascheschicht. Ist die gesamte Kohle weiß könnt ihr die Asche von den Seiten in die Mitte schieben (mit einem Löffel, einer Zange oder mit einem Flaschenöffner*pfeif*Hauptsache feuerfest), die Kohle hat dort eine kleine Kuhle.

Sollte die Kohle nicht so durchglühen wie ihr es gerne hättet, hilft es, wenn ihr ihr etwas Luft zufächert. Hierfür gibt es wunderschöne Räucherfedern, es genügt aber auch eine ausgerupfte von Nachbars Tauben. Auch der aufsteigende Rauch lässt sich damit hervorragen verteilen.

Nun hängt es vom Räucherwerk ab wann ihr auflegt. Bestimmte Räucherstoffe, u.a. auch Harze mögen es nicht ZU heiß. Da ist es gut noch mal 10 Minuten zu warten, wenn die Kohle weiß ist. Ansonsten – rauf damit. Ist eigentlich wie beim Grillen: wenn Kohle weiß = gut. Versteht auch ein Mann^^

Harze, Wurzeln und Bohnen sollten vor dem Auflegen gerieben werden. Wer kräftig ist kann auch Mörsern! Wenn ihr mögt könnt ihr auch die restlichen Bestandteile mit in den Mörser geben. Das „bricht“ die Oberfläche“ und es duftet schneller und intensiver. Man sagt, dass man jeder Räuchermischung ein Harz hinzufügen sollte, da dies verflüssigt und das ganze „bindet“. Die Räucherung hält so länger.
Hier kommt auch der Edelstein ins Spiel. Kleine Steine können ebenso in den Mörser gegeben und zu Pulver gemahlen dem Räucherwerk beigemischt werden.
Auch NATURREINE ätherische Öle sind möglich. Synthetische sind nicht zu empfehlen – nicht nur weil sie künstlich sind, sondern weil sie auf dem Feuer wie Plastik riechen! Mit ÄÖ kann man sehr gut auch fehlende Räucherbestandteile ersetzen. Hat man beispielweise mal keine Angelikawurzel da tut es auch das Öl. Dies wird einfach auf das restliche Räuchergut geträufelt.
Nach einiger Zeit wird es anfangen verkokelt zu riechen, dann schiebt ihr das Räucherwerk beiseite und legt neues auf.

Bei beiden Räuchervarianten gilt: Weniger ist mehr! Oft reichen Prisen aus. Lieber einmal mehr nachlegen.



Ich hoffe, ich habe nichts vergessen. Auf die gängigsten Räucherwerke werde ich in einem zweiten Artikel eingehen. Der hier wurde doch länger als gedacht.

Link zu Teil II

Link zu Teil III

Ich wünsche euch ein wunderbares Ritual und das der Rauch eure Wünsche mit hinauf nimmt!

Autorin:Kathrin/KongruentesChaos
Quelle: siehe Text

Da der Text vor Samhain entstand hier mein damaliger Gruß

1 Kommentar:

  1. Informativ - und gut geschrieben! Jetzt bin ich wieder angefixt ;D

    LG kontext

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