Mittwoch, 9. Dezember 2009

DIY: Teil III - Räuchermischungen





In diesem Teil möchte ich euch einige meiner Lieblingsräuchermischungen vorstellen und zu eigenem Experimentieren und Mischen anregen. Ich habe versucht Räucherwerke für möglichst viele Gelegenheiten und aus möglichst vielen Kulturen zu finden. Ich hoffe das für jeden wenigsten irgendetwas dabei sein möge.

Beim Räuchern ist es eigentlich wie beim Kochen. Zu Beginn und beim Ausprobieren neuer Zutaten hält man sich an Rezepte oder Tipps von anderen, erfahreneren Personen. Irgendwann jedoch fängt man an Rezepte abzuwandeln, einzelne Zutaten zu ersetzen oder „frei Schnäuze“ munter drauflos zu mixen.
Und genauso wie beim Kochen gilt: Erlaubt ist was schmeckt…ähm…gut riecht;)




Hier nur ein paar einfache Grundsätze, die es zu beachten gilt:

- bei neuen Mischungen zuerst immer nur Kleinstmengen herstellen und schauen, ob sie einem zusagen.

- IMMER, IMMER, IMMER genau aufschreiben was und wie viel man verwendet hat. Ansonsten wird es wirklich schwierig nachzuvollziehen was man hineingemischt hat. Ein, zwei Tage danach kann ich es noch auswendig runterbeten, aber ich könnte heute nicht mehr die Rezeptur von letzter Woche wiedergeben. Ich schreibe meine Mixturen in ein handgemachtes Buch in dem ich alles niederschreibe was ich an rituellem oder magischem verwende, ausprobiere und für gut befunden habe.

- es ist ratsam der Mischung ein Gummiharz hinzuzufügen. Dieses bindet die Mischung, sorgt für eine bessere Räucherung und verstärkt die gewünschte Wirkung. Zu diesen Harzen zählen: Weihrauch, Myrrhe, Benzoe, Gummiarabicum, Mastix, Copal und Drachenblut.

- von einer Mischung sollte immer maximal eine Tasse voll hergestellt werden, wenn man es länger lagern will. Man braucht pro Räucherung wirklich nur sehr, sehr wenig. Größere Mengen würden auf Dauer ihre Qualität verlieren. Ich selber mische immer frisch an, merke jetzt aber, dass ich einige Mischungen öfter brauche. Da würde es sich jetzt theoretisch schon lohnen eine größere Menge herzustellen und in einem Schraubglas luftdicht aufzubewahren.


Aufbau einer Räuchermischung

Ich werde hier meine Herangehensweise an eine Räuchermischung schildert. Beachtet bitte, dass ich meistens einen rituellen Hintergrund dafür habe, im Grund würde eine „wohlriechende“ Mischung jedoch ähnlich entstehen.

Am Anfang steht das Ziel. Welche magische (oder atmosphärische) Absicht habe ich? Dann schaue ich in mein schlaues Buch welches Kraut für meinen Zweck geeignet ist und gucke nach was ich davon zuhause habe.
Von diesen Kräuter scheiden einige vielleicht von Anfang an aus, weil sie mir nicht zusagen oder nicht angenehm riechen (so eignet sich Knoblauch hervorragend für Schutzräucherungen, aber wer möchte den Geruch schon stunden- , wenn nicht gar tagelang in der Bude haben?). Übrig bleibt eine handvoll Zutaten mit denen ich nun anfangen kann zu experimentieren. Hierbei braucht es keine 14 Räucherstoffe in 8 verschiedenen Dosen. Zwei, drei Ingredienzien reichen für den Anfang (und eigentlich auch später) aus.

Wenn man aus der Zusammensetzung einer Räuchermischung eine Wissenschaft machen möchte, kann man nachschlagen welche Planeten, Elemente oder Gottheiten für meinen Zweck hilfreich wären und die Inhaltsstoffe dem anpassen. Ich selber tue dies nicht. Ich mache mir nur bewusst, aus welchem Kulturkreis welche Räucherung stammt und sich beispielsweise Wakan Tanka vielleicht besonders über Sweetgrass und Brigid über Beifuß freuen würde;)


Räuchermischungen

Jetzt möchte ich euch einige Räuchermischungen vorstellen, die ich entweder selber im Laufe der Zeit zusammengestellt habe oder aus Büchern übernommen und für schön/nützlich befunden haben.

Reinigungsräucherung

Zur Vertreibung negativer Energien:

Weihrauch 1 Teil
Rosenblüten 1 Teil

Um gute Geister anzuziehen:

Sweetgrass

Ich verwende klaren, frisch-zitronigen Weihrauch, manchmal auch Dammar. Der Duft alleine wirkt schon klärend und reinigend und ich habe nach einer Räucherung mit diesen Zutaten in der frisch aufgeräumten und gereinigten Wohnung immer das Gefühl, die Räume pusten den alten Krempel raus und holen einmal tief Luft, um frische Energien hinein zu lassen. Ich habe die Angewohnheit vor einer Reinigungsräucherung wirklich aufzuräumen. Ich bilde mir ein die guten Geister zeigten mir sonst einen Vogel á la „Du kriegst nicht mal deine Bude geputzt und nun sollen wir einziehen und alles von negativen Energien reinigen? Is klar!" Die Rosenblüten geben der Räucherung eine liebliche Note und bringen gleich einen schützenden Aspekt mit rein.

Im Anschluss schneide ich von meinem Sweetgrasszopf knapp 1-2 cm ab und räuchere diese vorzugsweise auf dem Sieb, um die Luft mit positiven Energien aufzuladen.

Schutz- und Weihräucherung

Rose 1 Teil
Weihrauch 1 Teil
Goldweihrauch 1/2 Teile
Angelikawurzel 1 Teil
Benzoe ½ Teile

Diese Räucherung hat durch die Angelikawurzel einen leicht herben Unterton. Ich habe damit meine Amulette und andere Helferlein geweiht. Eignet sich auch hervorragend als Schutzräucherung wenn Klein-Thunderheartwoman mal wieder alleine einen Horrorfilm geguckt und das Gefühl hat, dass alle bösen Geister dieser Erde sich um ihre Wohnung herum tummeln.




Nun möchte ich ein paar Räuchermischungen nennen aus dem Buch „Botschaft an den Himmel“ von Susanne Fischer-Rizzi, die es mir besonders angetan haben.



Elfenspiel (nordische Räuchermischung)

Mastix 5 Teile
Propolis 2 Teile
Holundermark ½ Teile
Duftgras 1 Teil
Hopfendrüsen 1 Teil

Propolis bekommt man meist kostengünstig beim Imker, beim Duftgras handelt es sich um das europäische Pendant zum Sweetgrass. Es wird auch Ruch- oder Mariengras genannt. Man bekommt es in Gärtnereien, kann als Ersatz aber auch Lemongras verwenden (dann riecht es nur nicht so lecker nach Cumin). Holundermark findet sich im Inneren von Holunderzweigen und wird mit dem Messer herausgeschabt und getrocknet. Hopfendrüsen (auch Hopfenmehl oder Lupulin genannt) gibt es in Apotheken. Zuerst werden Mastix und Propolis in einen Mörser gegeben und zerkleinert, danach kommen die anderen Zutaten hinzu.

Die Mischung riecht zart und warm und inspiriert Kreativität und Träume.

Druid (nordische Räuchermischung zur Wintersonnenwende)

Weihrauch 3 Teile
Mastix 3 Teile
Zimtblüte (oder – rinde) 1 Teil
Tannennadeln ½ Teil
Nelken ½ Teile
Sandarak 2 Teile
Eschensamen ½ Teile

Der Duft lädt zur Meditation und zum Gebet ein. Er eignet sich zum Ausgleich bei starken und belastenden Emotionen, reinigt.

Ischtar (Räucherung aus Mesopotamien für die große Göttin)

Zedernholz geraspelt 2 Teile
Opoponax (süße Myrrhe) 1 Teil
Benzoe 1 Teil
Zimtrinde ½ Teile

Kraftvoller, balsamischer, warmer Duft. Besonders geeignet für Frauen.

Hathor

Hierbei handelt es sich um eine reine Myrrheräucherung, die beruhigend und verlangsamend wirkt. Sie hilft bei Stress und Einschlafstörungen. „Myrrhe ist für Menschen, die ihren Körper nicht mehr positiv fühle und anerkennen können. Sie hilft bei chronischem Kältegefühl.“


Meine derzeit liebste Räuchermischung ist das Kyphi. Hierbei handelt es sich um ein Räucherwerk aus dem alten Ägypten, dessen Zusammensetzung nahezu vollständig überliefert ist. Die Herstellung erstreckte sich über mehrer Monate und wurde von Gebeten und Ritualen begleitet. Es gibt verschiedene Aufzeichnungen von Plutarch, Dioskurides (einem Militärarzt unter Kaiser Nero) und auf diversen Papyri. Sie alle haben aber mindestens 10 Zutaten gemeinsam.
Ich habe es bisher nicht selbst angemischt, sondern nur gekauft. Wenn man einen Blick auf die Zutatenliste wirft, wird sicherlich deutlich wieso.

Weihrauch 4 Teile
Mastix 2 Teile
Wacholderbeeren ½ Teil
Kalmus ¼ Teil
Galgant ¼ Teil
Kardamon ½ Teil
Zimtrinde oder Zimtblüte (Cassie) 1 Teil
Myrrhe 1 Teil
Lemongras 1 Teil
Rosenblätter (getrocknete Duftrosenknospen) ½ Teil
Benzoe Siam 1 Teil
Sandelholz 1 ½ Teile
Adlerholz, messerspitzenweise, je nach Menge
Waldhonig, flüssig ½ Teil
Rotwein, schwer, gehaltvoll, esslöffelweise, je nach Menge
Sultaninen, ungeschwefelt 8 Teile

Die Sultaninen werden über Nacht in dem Rotwein eingelegt, Weihrauch, Mastix, Myrrhe und Benzoe im Mörser zerkleinern. Zimtblüte, Wacholderbeeren, Kalmus, Galgant, Kardamon (mit Schale), Sandelholz im Mörser einzeln pulverisieren und alles mit dem Harzpulver mischen. Rosenknospen zerpflücken, Lemongras fein schneiden, alles gut mischen. Auf eine Tasse dieser Mischung einen halben Teelöffel pulverisiertes Adlerholz geben (Kann auch weggelassen werden!). Die Sultaninen aus dem Rotwein nehmen, im Mörser, Mixer oder Fleischwolf zu Brei verarbeiten, den Honig untermischen. Die pulverisierte Mischung dazugeben und alle gut verkneten. Zwischen den Handflächen zerreiben und bröselig verarbeiten. Die Masse auf einem Sieb oder Tuch ausbreiten und an einem warmen Ort trocknen lassen. Nicht in den Backofen oder direkt in die Sonne stellen. Öfter wenden. Nach sieben bis vierzehn Tagen, je nach Witterung und Wärme, ist der Kyphi trocken und räucherfertig.

Vertreibt die Sorgen den Alltags, besonders für eine Abendräucherung geeignet.

Hier seht – es ist nicht unmöglich, aber aufwendig. Dafür wird man mit einer unglaublich „leckeren“, warm-süßlich, orientalisch duftenden Räuchermischung belohnt.

König Davids Verführung (Räucherung aus Israel)

Myrrhe 4 Teile
Adlerholz ½ Teil
Zimtrinde 1 Teil
Sandelholz 1 Teil

Samtig-warme Mischung mit einer verführerischen Note. Mit Düften wie diesem wurden die königlichen Kleider und Schlafzimmer beduftet.

Heilung – Na-Ho-Chldzl (nordamerikanische Räucherung)

Weißer Salbei 2 Teile
Sweetgrass 1 Teil
Yerba Santa 1 Teil

Der weiße Salbei kann durch unseren Gartensalbei ersetzt werden. Die Mischung eignet sich für Krankenzimmer, für Heilungszeremonien bei innerer Verletztheit und Trauer, zum guten Zusammenkommen nach Streit und für Zusammenkünfte wie Seminare, etc.
Be-Hozho-Na Ho Glachl ist navajo und bedeutet wörtlich übersetzt: etwas, das einen wieder in den ursprünglichen Zustand der Schönheit und Harmonie bringt.

Jaguar der Nacht (aus Südamerika)

Gold-Copal 3 Teile
Dunkler Copal 1 Teil
Myrrhe 1 Teil
Tolu ½ Teil (Balsam, in Apotheken zu bekommen)
Vanillepulver (kein künstliches!)

Lädt zum Träumen ein und regt die Phantasie an, ideal für den Abend und die Nacht. Der Duft hat eine sehr beruhigende Wirkung, nur messerspitzenweise verräuchern.

Meditation am Morgen (Indische Räucherung)

Dammar 3 Teile
Mastix 3 Teile
Kampfer 1 Teil
Elemi 1 Teil
Lemongras 1 Teil

Die Räuchermischung muss im Mörser angerührt werden, weil sich nur dort das zähe Elemi mit dem restlichen Räuchergut ausreichend vermischen lässt. Öffnet den Geist. Ideal für morgendliches Yoga, Meditation oder Gebet. Hilft den Tag über das innere Gleichgewicht zu halten. Prisenweise auf Kohle verräuchern.

Atem der Seele (japanische Räuchermischung)

Sandelholz 2 Teile
Moschuskörner ½ Teil (stammen aus einer Hibiskuspflanze und sich eine guter Ersatz für tierischen Moschus)
Sternanis 1 Teil
Zimtblüte 1 Teil
Benzoe-Harz 1 Teil

Feiner, zarter Duft zur tiefen Entspannung, als Begleitung zu Musik, zum sinnlichen Zusammensein.



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Zum Schluss möchte ich mich noch gerne dem doch recht umfangreichen Feld des Weihrauch widmen.

Olibanum, wie der Weihrauch auch genannt wird, stammt vom Weihrauchbaum, einer Boswellia-Gattung von der es ungefähr 25 verschiedene Arten gibt. So gibt es auch verschiedene Weihrauchsorten und vor allem unterschiedliche Qualitäten. Die bekanntesten Sorten stammen aus Somalia, Indien, Arabien und Eritrea. Ein Weihrauch von guter Qualität sollte klar, rein und weiss schimmern. Auch gilt: je größer ein Weihrauchstück, desto hochwertiger.

Ich habe im Internet eine schöne Auflistung der gängigsten Olibanumsorten gefunden, die ich euch nicht vorenthalten möchte:

Boswellia serrata (Indien)

Dieser Weihrauch stammt aus Zentral- und Westindiens. Das Besondere am Indischen Weihrauch ist, dass er sich durch seine sehr dunkle Farbe von braun-grau-grün von den anderen Weihrauch Arten unterscheidet.
Er hat einen typisch warm-süsslichen Geruch.

Boswellia sacra (Arabien)

Dies ist einer der bekanntesten Vertreter des Weihrauches. Er wird auch arabischer Weihrauch genannt und kommt hauptsächlich aus dem Oman und dem Dhofar-Gebirge.
Das besondere an diesem Weihrauch ist, dass er sehr stark duftend ist, da er eine Vielzahl an ätherischen Ölen enthält.
Der hochwertigste arabische Weihrauch Oman hat besonders grosse, sehr helle Stücke mit einem wunderbar balsamischen, intensiven Duft bei der Verwendung als Räucherwerk.
Auf Grund der Beliebtheit dieses hochwertigen Weihrauches werden die Ernten oft von arabischen Händlern vollständig aufgekauft, sodass dieser Weihrauch im Westen selten in der höchsten Qualität erhältlich ist.

Boswellia carteri (Somalia)

Dies ist ein sehr bekannter Weihrauch aus dem Gebiet von Somalia. Synonyme sind auch Beyo oder Aden-Weihrauch.
Dieser Weihrauch zeichnet sich ebenfalls durch seine sehr helle, beige Farbe aus.
Dieser beliebte Weihrauch, der auch gerne für die Herstellung von Weihrauchölen verwendet wird, hat einen balsamischen, etwas citrusartigen Duft bei einer Räucherung.

Boswellia papyrifera (Eritrea)

Oft läuft dieser Weihrauch auch unter dem Namen Amyris papyrifera und hat für gewöhnlich den Handelsnamen Olibanum eritrea.
Dieser Weihrauch, der fast nur in kleineren Stücken, wie Granen (Bruchstücke von 1-3 mm Größe) auf den Markt kommt stammt aus den Gebieten von Eritrea, Sudan und Äthiopien.
Die kleineren Stücke dieses Weihrauchs zeichnen sich durch die gelblich-goldene bis bräunliche Färbung aus.
Dieser Weihrauch ist eine sehr häufig gehandelte Sorte mit einem würzig-süssen Duft bei der Verwendung als Räucherwerk.

Prinzipiell lässt sich Weihrauch sehr gut in größeren Mengen mit den unterschiedlichsten Zutaten mischen. So kann man Lavendelblüten, Rosenblüten oder dergleichen untermischen und hat so wunderbaren Lavendel- oder Rosenweihrauch zuhause.



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Auch das Schreiben dieses Teils hat mir wieder sehr viel Spaß gemacht. Auch wenn mir mal wieder bewusst wurde, dass das Räuchern ein so weites, kostbares und wunderschönes Feld ist, dass ich ihm schwerlich mit meinen Texten gerecht werden kann.

Dennoch hoffe ich, dass die eine oder andere die mit diesem Thema bereits vertraut ist Spaß am Lesen hatte und diejenigen unter uns, die noch nicht oder noch nicht viel geräuchert haben Mut und Inspiration gefunden haben, es doch einmal zu probieren.

Möge der Rauch eure Bitten und Danksagungen stets dorthin tragen wo sie hinsollen.

Autorin: Kathrin/KongruentesChaos
Quelle: siehe Text

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